Düsseldorf/Remscheid. Die Hoffnung, die sich mit der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem verbindet, legt sich wie ein zweites Bild im Film über das Bild einer Welt, die aus den Fugen geraten und bedrückend dunkel ist. Das unterstreicht Antje Menn, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, in einem besonderen Gottesdienstformat zu Weihnachten am Freitag, 19. Dezember: „Blue Christmas“.
Diesen Gottesdienst in besonderer Form feiert Menn, die seit Mai Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland ist, schon seit mehreren Jahren gemeinsam mit der Remscheider Krankenhausseelsorgerin Annette Stoll. „Blue Christmas“ – dieses melancholische Lied von Elvis Presley wurde in den 1950er-Jahren gegen alle Erwartungen zum ultimativen Weihnachtssong. Offenbar empfanden auch damals viele Menschen gerade zur Weihnachtszeit den „Blues“, also Kummer in all seinen Facetten. Entsprechend ist „Blue Christmas“ ein Gottesdienst für alle Neugierigen und für jene, die mit überschwänglicher Weihnachtsfreude momentan wenig anfangen können.
Weihnachtsbotschaft in einem Franz-Marc-Gemälde
Die Weihnachtsbotschaft entfaltet die 52-jährige Theologin in diesem Jahr am Beispiel des Bildes „Tirol“ von Franz Marc, ursprünglich 1913 gemalt: „Die Welt, die Marc vor Augen hat, ist aus den Fugen geraten. Umgekippte Baumgerippe und untergehende Häuser stehen für Zerstörung und Durcheinander. Das ist heute wieder und immer noch so“, sagt Antje Menn. „Aus finsteren Spalten lugen Streit und Gewalt. Radikale Kräfte spalten Gesellschaften und bedrohen das Miteinander. Menschen irren durch die Straßen der Welt auf der Flucht vor Krieg, Hunger, Vertreibung oder wegen der Folgen des Klimawandels. So viele kämpfen um ihr Leben, um ihr Überleben, um ein Leben in Würde.“
„Die Welt hat eine Neuausrichtung“
Vizepräses Menn berichtet, dass Franz Marc sein Bild, das bereits in einer Ausstellung hing, 1914 wieder an sich nahm und schließlich das eine Motiv noch einfügte: Er zeichnete Maria und das Jesuskind in diese Welt hinein. Das sei noch schwer zu erkennen, aber in der Mitte des Bildes, wo alles zusammenlaufe, stehe nun Maria und halte in ihren Armen das lichte Kind. „Neues Leben ist in die Welt gekommen und rettet uns das Leben. Das Bild hat eine Neuausrichtung. Die Welt hat eine Neuausrichtung. Mein Leben hat eine Neuausrichtung“, deutet die Theologin Gemälde und Weihnachtsgeschichte: „Denn eines kann die Welt nicht: das Kind beseitigen. Das Kind ist Zeichen auf Gott, auf seine Zukunft hin.“ So wie das Gemälde von Franz Marc bekomme mit dem Kind, dessen Geburt Weihnachten gefeiert werde, auch die aus den Fugen geratene Welt eine Neuausrichtung. „Klein und von unten her wird Jesus in seinem Leben umherziehen. Zepter und Thron sehen bei ihm anders aus, als wir sie kennen. Die Welt unterliegt nicht den Allmachtsfantasien und Narzissmen von Herrschenden. Das Zepter Gottes ist Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“, stellt Antje Menn in ihrer Auslegung fest: „Wer allein ist, bleibt nicht allein. Wer in Angst ist, soll getröstet werden. Du irrst nicht durchs Leben, Du läufst nicht ins Leere. Er mag dir Orientierung und Rat geben. Über denen, die im Dunkel sind, scheint es hell auf.“
Gottesdienst am Freitag, 19. Dezember, in der Stadtkirche Lennep
Der besondere weihnachtliche Gottesdienst „Blue Christmas“ findet am Freitag, 19. Dezember, um 18 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche Lennep, Kirchplatz, 42897 Remscheid, statt. Neben den Pfarrerinnen Annette Stoll und Antje Menn gestalten Kantor Thilo Ratai und Saxofonist Erik Nestler die Feier. Im Anschluss gibt es einen Imbiss.