Großes Plus bei Kirchensteuern erklärt sich aus überraschenden Einmaleffekten

Bonn. Das Netto-Kirchensteueraufkommen ist 2025 gegenüber dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 802 Millionen Euro gestiegen. Mit diesem großen Plus habe die Evangelische Kirche im Rheinland EKD-weit ein Alleinstellungsmerkmal, so Oberkirchenrat Henning Boecker, Leiter der Finanzabteilung im Landeskirchenamt, in seinem Finanzbericht an die 80. Landessynode. Verantwortlich seien Einmaleffekte, die in dieser Form in den kommenden Jahren nicht mehr zu erwarten seien.

Die unerwartet hohen Mehreinnahmen stammen im Wesentlichen nur aus den drei Kirchenkreisen Düsseldorf, Leverkusen und Koblenz. „Es gibt eine Fülle von Kirchenkreisen, bei denen es überhaupt nicht so positiv aussieht.“ Und während die Steigerung der Kirchensteuer auf die Lohn- und Einkommensteuer wie prognostiziert nur 1,8 Prozent ausmacht, hat sich die Kirchensteuer auf Kapitalerträge überraschend um fast 60 Prozent erhöht. Eine genauere Analyse zeigt, dass sich die Steigerung auf wenige Monate vor der Einführung umfassender neuer Zölle durch die USA im April 2025 beschränkt. Boeckers Erklärung dafür: „Die Märkte haben im Vorfeld reagiert und massiv Aktien von den USA nach Europa und Deutschland umgeschichtet. Und wenn Aktien verkauft werden, fällt Kapitalertragssteuer an.“

Unerwartet hohe Zahlung aus anderen Landeskirchen

Weitere nicht kalkulierbare Einnahmen stammen aus dem Clearingverfahren, das Zahlungen zwischen den Landeskirchen regelt. Traditionell gehörte die Evangelische Kirche im Rheinland dabei zu den zahlenden Kirchen. Im vergangenen Jahr erhielt sie dagegen 10,2 Millionen Euro – auch das ein Wert, der voraussichtlich in diesem Jahr nicht mehr erreicht wird. Boecker blieb daher bei seiner grundsätzlichen Prognose, dass in den kommenden fünf Jahren mit einem gleichbleibenden Kirchensteueraufkommen zu rechnen sei und es erst danach zu einem leichten Absinken komme. Für einzelne Jahre werde es auch weiterhin zu Abweichungen von den Prognosen kommen. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, glichen sich die Ausschläge aber wieder aus. So entspricht die Addition der Prognosen für die Jahre 2021 bis 2025 fast exakt den tatsächlichen Kirchensteuereinnahmen.

Bei Versorgung und Beihilfe auf Kurs

Auch bei den Versorgungs- und Beihilfelasten ist die Evangelische Kirche im Rheinland auf Kurs. Seit 2008 laufen verstärkt Bemühungen, die lange vernachlässigten Rückstellungen zur Deckung der Versorgung und Beihilfe der Pfarrer*innen und Kirchenbeamt*innen im Ruhestand zu erhöhen. Bei der Versorgung ist der angestrebte kapitalgedeckte Deckungsgrad von 70 Prozent zwar inzwischen sogar um vier Prozent übertroffen worden, aber bei den rapide steigenden Beihilfekosten klafft noch eine große Lücke. Derzeit liegt der Deckungsgrad der Beihilfe bei nur 32 Prozent. Um das Ziel nicht zu verfehlen, bis 2030 bei Versorgung und Beihilfe zusammen eine Deckung von 70 Prozent zu gewährleisten, hat die Synode im vergangenen Jahr beschlossen, die entsprechende Umlage ab 2026 von 18 auf 23 Prozent des Netto-Kirchensteueraufkommens zu erhöhen. Auf die Kirchenkreise und Gemeinden kommen damit zusätzliche Belastungen zu. Ziel ist es, die Versorgungs- und Beihilfelasten möglichst gerecht auf die unterschiedlichen Generationen zu verteilen.

  • 17.01.2026
  • Ekkehard Rüger
  • EKiR/Meike Böschemeyer