Hoffend, liebend, zukunftsgerichtet: Landessynode mit Gottesdienst eröffnet

Bonn. Die Landessynode 2026 der Evangelischen Kirche im Rheinland ist am Freitag, 16. Januar, mit einem Gottesdienst in der Bonner Kreuzkirche eröffnet worden. Die dreigeteilte Predigt richtete einen hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft der Kirche – wohlwissend um die Schwierigkeiten und Hürden. Die 80. ordentliche Landessynode, das oberste Leitungsgremium der rheinischen Kirche, tagt noch bis zum 20. Januar im Maritim Hotel Bonn.

Die Predigt während des Gottesdienstes teilten sich drei nebenamtliche Kirchenleitungsmitglieder der rheinischen Kirche: Pfarrerin Annette Vetter, Sammy Wintersohl und Prof. Dr. Lorenz Narku Laing. Alle drei nahmen die Jahreslosung 2026 in den Blick: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5). Die Perspektiven waren dabei unterschiedliche: mal hoffnungsvoll, mal im Zeichen der Nächstenliebe, mal zukunfts- und „verkaufsorientiert“.

„Eine Einladung, Welt und Kirche zu gestalten“

Pfarrerin Annette Vetter verband ihren Blick auf die Jahreslosung mit der Schöpfungsgeschichte – und dabei vor allem mit den Worten Gottes: „Es werde Licht. Und siehe, es war sehr gut.“ Wirkmächtig lege das im Gottesdienst gesungene Schöpfungslied „You make me new“ die Jahreslosung für 2026 aus: „In die Dunkelheit und das Tohuwabohu hinein ruft Gott zunächst das Licht – und siehe, es war sehr gut“, sagte Vetter. So oft man die Schöpfungsgeschichte auch erzähle, bleibe der Schöpfungsprozess in seiner Tiefe doch unbegreiflich. „Ich lese die Jahreslosung für 2026 im Licht der Schöpfungszusage Gottes: ,Siehe, ich mache alles neu. Und siehe, es war gut‘“, predigte Vetter. Gottes Licht wirke auch heute durch Gottes Geschöpfe, durch Kirchen und Glaubensgemeinschaften. Zudem sei die Jahreslosung eine Einladung, die Welt und die Kirche zu gestalten – aller Ungerechtigkeit, Friedlosigkeit, den gesellschaftlichen und finanziellen Veränderungen zum Trotz. Deshalb gehe sie hoffnungsvoll in die Synode. „Gemeinsam werden wir Neues wagen, wenn wir als Gemeinschaft der Synodalen nach Wegen suchen, wie unsere Kirche auch in Zukunft mit veränderten Mitteln und Ressourcen Gestalt gewinnen kann.“

Eröffnungsgottesdienst der Landessynode 2026 in Bonn

„Die Liebe ist die stärkste Waffe der Menschheit“

Prof. Dr. Lorenz Narku Laing nahm Bezug auf Vetters Predigt und stellte die Frage: „Doch wo finden wir Gottes gutes Licht in der Welt?“ Seine Antwort darauf: „Das Licht Gottes findet sich in der leidenschaftlichen Hilfe für Arme und Hungernde, die jeden Tag in Bahnhofsmission und Tafel geleistet wird.“ Das Licht Gottes finde sich aber auch in den Pfarrerinnen und Pfarrern wieder, die alleine am Grab stehen und für einen Menschen beten, der von allen Menschen verlassen scheine. „Und das Licht Gottes findet sich in einer Kirche, die sich eben nicht von Menschen weit entfernt unserer Heimat abwendet. Sie hilft im Mittelmeer und in Kriegsgebieten, wenn die Schwächsten weiter entrechtet werden.“ Gottes Licht sei Liebe – für uns selbst, Fremde und Feinde. Mit Blick auf den Kalender verwies er auf den Martin-Luther-King-Day am Montag, der in den Zeitraum der Synode falle. „So möchte ich den vielleicht bekanntesten schwarzen Protestanten der Weltgeschichte zitieren: ,Hass lähmt das Leben, Liebe befreit es. Hass verwirrt das Leben, Liebe harmonisiert es. Hass verdunkelt das Leben, Liebe erhellt es.‘“ Und eines müsse trotz Aufforderung der Jahreslosung nicht neu gemacht werden: „Gott gab uns bereits ein neues Herz – aus Fleisch und voller Liebe. Es ist das Fundament einer jeden Erneuerung unserer Kirche.“ Entsprechend schloss er seine Predigt mit weiteren Worten von Martin Luther King Junior: „Die Liebe ist die stärkste Waffe der Menschheit, um persönliche und gesellschaftliche Wandlungen zu erreichen.“

„Gott geht mit uns“

Doch wie kann es Kirche gelingen, ihre neuen Wege zu gestalten? Und was braucht es, um Menschen abzuholen? Diese Punkte griff Sammy Wintersohl in seiner Predigt auf. „Neulich wurde mir die Frage gestellt: Was ist eigentlich unsere Kernbotschaft als Kirche?“, berichtete er von einem persönlichen Erlebnis. Das sei eine einfache, wenn auch unbequeme Frage aus dem Marketingbereich. „Denn sie zwingt uns, uns auf das zu konzentrieren, was uns wirklich trägt und ausmacht.“ Die Kirche werde kleiner, müsse sparen. „Aus diesem Grund werden wir uns als Synode damit beschäftigen, wie wir uns für die Zukunft aufstellen müssen. Das ist schmerzvoll und bringt uns an unsere Grenzen.“ Auch die Jünger*innen von Jesus hätten sich in einem solchen Grenzbereich befunden: Jesus war tot und das Grab leer. Die Welt war aus den Fugen geraten. „In diesen Moment hinein spricht Jesus sein Vermächtnis, seinen Auftrag – den Taufbefehl: ,Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.‘“ Diese Sätze hätten Kraft, „denn aus dieser kleinen Schar von damals ist eine große Schar geworden und wir sind heute immer noch Teil davon“. Hier liege der Auftrag und vielleicht auch der Markenkern der Kirche. Der Taufbefehl verdeutliche zudem: „Gott geht mit uns. In diesen Change-Prozessen gibt er uns Sicherheit und befähigt uns, neue Wege, Innovationen zu finden.“

  • 16.01.2026
  • Andreas Attinger
  • EKiR/Meike Böschemeyer